Jagdwesen

Etwas Wildbiologie zum Verständnis

Kaum so groß wie eine Katze, mit kurzen Beinchen, die in weichen, bärenartigen Sohlen enden, schleicht der Hausmarder, wie der Steinmarder bezeichnenderweise seit langem genannt wird, auf der Suche nach Nahrung unter Autos, durch Vorgärten, erklimmt Holzstapel und Schuppen. Anders als bei der Katze ist sein Schleichgang leicht hoppelnd, wenn er im so genannten Zweisprung die Hinterpfoten exakt in die Trittsiegel der Vorderpfoten setzt. Dabei ist er keineswegs nur ein Jäger, wie vielfach behauptet wird. Vielmehr besteht seine Nahrung zum größten Teil aus Beeren und Früchten, hinzu kommen gerade im städtischen Bereich Mäuse, Tauben und andere Vögel, je nach Angebot. Auffällig viele Regenwürmer bereichern den Speiseplan, Schnecken und Insekten und selbst Hausabfälle werden nicht verschmäht. Zoologisch gehört der Steinmarder (Martes foina) gemeinsam mit den Baummardern (M. martes), den Bunt-, Fichten- und Fischermardern sowie dem Zobel (M. zibellina) zu den „echten Mardern“ in der Unterfamilie „Marderartige“. Unter die zweite Gruppe, die „Stinkmarder“, werden z. B. Iltis, Frettchen, Hermelin, Mauswiesel, der europäische und der nordamerikanische Nerz gefasst - ein Hinweis darauf, dass Steinmarder i. d. R. keine für menschliche Nasen sonderlich unangenehme Gerüche hinterlässt. Den männlichen Marder bezeichnet man in korrektem Jägerlatein als „Rüden“, das Weibchen nennt man „Fähe“. Eine paarungsbereite Fähe befindet sich in der „Ranz“, und den Wurf bezeichnet der Jäger als „Geheck“. Im Regelfall sind Steinmarder Einzelgänger, die mit für andere Marder eindeutigen Duftmarken ein Revier markieren. Im Freiland sind die Reviere der einzelnen Tiere viele Hektar groß. In Schleswig-Holstein bspw. versorgte eine Fähe ihre Jungen mit bis zu 14 km weiten Streifzügen. Meist sind die Reviere der Rüden größer als die der Fähen. Fähen besetzen oft Reviere innerhalb der Grenzen eines Rüdenterritoriums — häufig deckt dieser Rüde die Fähe in der Ranz. Im Winter sinkt die Größe der markierten Reviere, im Frühjahr — zur Paarungszeit — wird das Revier wieder erweitert. An den Reviergrenzen wird dabei regelrecht patrouilliert. In der Stadt wurden auch kleinere Reviere festgestellt. Wahrscheinlich richtet sich die Reviergröße nach dem Nahrungsangebot. Außerdem nutzt der Steinmarder in den Städten mit Dachböden und Kellern die dritte Dimension besser aus als im Freiland, wo er vorwiegend in Feld und Flur seltener im Wald zu finden ist. Normalerweise überschneiden sich die Reviere gleichgeschlechtlicher Tiere nur an den Randbereichen. Bei Tieren mit familiärer Beziehung hat man aber auch gemeinsame Nutzung des gleichen Reviers über längere Zeiträume festgestellt. In Einzelfällen kommt es zu handfesten Raufereien zwischen männlichen Revierinhabern, meistens weichen die Tiere einander jedoch aus. Es wurde verschiedentlich die zeitversetzte Nutzung der selben Tagesruheplätze von mehreren verschiedenen Mardern beiderlei Geschlechts beobachtet. Im Alter von 1 1/4 Jahren kommt die Fähe das erste Mal in die Ranz. Die Rüden sind mit rund zwei Jahren geschlechtsreif und streifen viele Kilometer auf der Suche nach einer Fähe. Rüde und Fähe treffen Ende Juni bis Mitte August zusammen. Wenn die Fähe gedeckt ist, trollt sich meist der Rabenvater. Die Tragzeit ist mit 247- 280 Tagen fast so lang wie beim Menschen - allerdings ruht zwischenzeitlich die Entwicklung des Embryos und schreitet erst pünktlich zum Frühjahr nach der Einbettung im Uterus rasch voran. Die Fähe sucht zur Wurfzeit zwischen März und Mai ein Nest zur Aufzucht der 2-4 mausgroßen Jungen, die noch für 4-5 Wochen nach der Geburt blind sind und im Alter von 6-7 Wochen das erste Mal das Nest verlassen. Die Jungen werden bis zur 8.Woche an vier Milchdrüsen gesäugt. Wenn man eine Steinmarderfähe zu Gast hat und aufmerksam hinhört, kann man vielleicht im Juni oder August das Fiepsen und Quietschen der Jungen hören, wenn die Fähe ins Nest zurückkehrt. Später, wenn die Jungtiere beginnen, das Nest zu verlassen, kann es auch tagsüber gehörig rumpeln, wenn die Jungen miteinander spielen. Fang- und Jagdspiele, rennen, springen, verstecken und erschrecken, untermalt von keckernden Lauten, die die Lebensfreude dieser kleinen Kreaturen ausdrücken. Wer das bunte Treiben auf dem Dachboden beobachten möchte, der muss bei Zeiten entsprechende Vorrichtungen einbauen (beispielsweise ein Sehrohr oder eine kleine Kamera). Hat man sich entsprechend präpariert, kann die Beobachtung der kleinen Clowns den Besuch im Kino allemal aufwiegen, wenn sie spielerisch drohend, das rote Mäulchen weit aufgerissen, Muckern (lautschriftlich wie „ockockock...“), einen großen Buckel machen und mit allen Vieren in die Höhe springen und dann wie der Blitz in verschiedene Richtungen auseinanderspritzen, nur um gleich darauf schelmisch aus einem übriggebliebenen Rohr oder hinter dem ausrangierten Wintermantel hervorzulinsen. Diese Spiele finden tagsüber statt, und können sich stundenlang hinziehen. Haben die Jungen das Nest verlassen, beginnt auch die Erziehung durch die Fähe, wie in Gehegen der Wildbiologen in Gießen beobachtet werden konnte. Mit lautem Muckern lockte die Fähe jeweils ein Junges einzeln aus dem Nest und beginnt mit Erkundungsgängen im näheren und weiteren Umfeld, die besonders die Versteckmöglichkeiten miteinbeziehen. Im Gehege wurde auch festgestellt, dass die Fähe vor der Exkursion Futterbrocken platziert, und das ängstlich im Körperkontakt mit der Mutter bleibende Junge an diese heranführt. So lernen die Jungtiere langsam die spätere Selbstversorgung. Am Ende der Spaziergänge wird der Jungmarder im Nackengriff gefasst und in das Nest zurückgesetzt. Oft wurde beobachtet, dass das Junge noch nicht zurückwollte und sich am Gehegegitter festhielt. Dann ließ die Fähe ab, und wartete geduldig, bis das Junge wieder auf dem Boden zurückkehrte, sprang vor, griff den widerspenstigen Nachwuchs im Nacken und beförderte ihn stracks zurück ins Nest. Im Freiland führt die Fähe die Jungtiere durch ihr ganzes Revier, und sie bringt ihnen bei, an welchen Stellen Nahrung zu finden ist oder bei Gefahr ein Unterschlupf. Im Freiland bewegen sich die Marder fast immer im Schatten und parallel zu Hecken und Büschen, in der Stadt ersetzen ihnen Autos den natürlichen Schutz, wenn sie weite Strecken Entlanglaufen. Die Fähe bringt ihren Jungtieren bei, dass, wenn keine anderen Ruheplätze im Revier zu finden sind, der Motorraum abgestellter PKW’s als Ruheplatz herhalten kann. Wenn die Jungmarder im Herbst das Revier der Mutter verlassen, haben sie von ihr viele Tricks fürs Überleben gelernt, die sie später in ihren eigenen Revieren anwenden können. Stellt man Marder vor ein lösbares Problem, bspw. an ein Bällchen unter einer großen umgestülpten Tasse heranzukommen, kann man ihre Beharrlichkeit und ihren Erfindungsreichtum nur bewundern. Mit der Nase wird versucht, die Ränder anzuheben, der Boden wird angegraben, das Tier versucht, die Tasse von oben umzustülpen, die Tasse wird mehrfach umrundet, bis ein Weg gefunden ist, die Tasse umzukippen. Dauert der Spaß beim ersten Mal noch einige Minuten, so geht es bei einer Wiederholung ganz schnell. Marder besitzen ein hervorragendes Gedächtnis, so dass sie oft nach Jahren noch eine Lösungsstrategie, die beispielsweise den Ausschlupf aus einem Käfig ermöglichte, erinnern und anwenden, wenn sie noch einmal eingesperrt werden.

Immer der Nase nach…

gilt es, wenn die Jungmarder im Herbst das mütterliche Territorium verlassen und sich ein eigenes Revier suchen müssen („Dispersion“ nennen es die Wildtierforscher). Dabei legen sie viele Kilometer zurück, wenn in der näheren Umgebung eine hohe Marderdichte herrscht. Viele Jungmarder kommen dabei unter die Räder oder fallen anderen Gefahren zum Opfer. Die Duftmarken anderer Marder sind es, die ihnen auf der Wanderschaft als Hinweise auf Nahrungsvorkommen und Ruheplätze dienen. Daher ruhen sie oft an Stellen, die andere Marder vorher als geeigneten Unterschlupf entdeckt und markiert haben.

An alten Duftmarken erkennen sie auch, ob ein Revier inzwischen unbesetzt ist, und dort lassen sie sich dann nieder. Durch dieses Verhalten bleiben für Marder geeignete Reviere (Futter, Ruheplätze) nie lange unbesetzt. Dies musste schon manch einer feststellen, der mit viel Mühen einen ungeliebten Marder durch die Forstbehörden mittels Lebendfalle hatte „entfernen“ lassen: Meist sind nur wenige Wochen später erneut Anzeichen eines Marders zu entdecken. Heute deutet vieles darauf hin, dass die Städte mit Ausnahme der Steinwüsten der Stadtzentren flächendeckend besiedelt sind. Aber auch hier lassen sich Marder nieder, wenn sie ausreichende Nahrungsgrundlagen (Abfall, Beeren, Tauben, Mäuse, Ratten) vorfinden. In Hamburg beispielsweise wurden Marder inzwischen selbst im Bereich Innenalster gesichtet.

Ein Lebenskünstler mit vielen Qualitäten

Eine Grundvoraussetzung für einen Kulturfolger ist eine hinreichende Vorsicht gegenüber dem Menschen, jedoch ohne eine ausgeprägte Menschenscheu, um sich Rückzugsräume in unserer engsten Nachbarschaft zu erschließen. Den Marder bekommt der Mensch selten zu Gesicht aber in seiner unmittelbaren Nähe ruht, jagt, sammelt, paart sich der Steinmarder, und nicht selten zieht er seine Jungen in Verstecken auf, die nur durch eine Wand vom Menschen getrennt werden. Die Verhaltensforscher sprechen von einer kleinen bis mittleren Ausweichdistanz, in Kombination mit einer kurzen Fluchtdistanz. Hinzu kommt, dass der „Stadtmarder“ seine Aktivitätszeiten dem Menschen angepasst hat, und vorwiegend dann umtriebig wird, wenn der Mensch sich in Häusern aufhält. Die Kombination aus guter Kinderstube (dem erlernten Verhalten, das den Jungmardern in ihrer Jugend von der Fähe beigebracht wurde) aus einem bemerkenswerten „Erfindungsreichtum“ und einem exzellenten Gedächtnis runden das Erfolgsrezept der Steinmarder ab, mit dem sie ihr bis zu 12 Jahre währenden Leben in unseren Städten bewältigen. Wildtierforscher erklären hiermit übrigens auch die zunehmende Verbreitung des Phänomens der „Besiedlung“ von Autos durch die Marder, das vor wenigen Jahren erst im Süden Deutschlands und nun auch in Norddeutschland Einzug gehalten hat. Sie glauben, dass „markierte“ Touristen-PKW aus dem südlichen Alpenraum, den hiesigen Mardern den Weg in die Motorräume gewiesen haben. Durch die beispielhafte Erziehung der Jungtiere durch die Fähen und die „Dispersion“, die Wanderung der Jungtiere, wurde die Miteinbeziehung der PKW in die genutzten Revierbereiche innerhalb der nördlichen Marder-Population schnell verbreitet. Haben alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg und der Marder muss weichen, so sollte ein Fangen des Tieres immer von einem fachkundigen Jäger vorgenommen werden. Wer selbst Fallen in seinem Haus oder auf seinem Grundstück aufstellen möchte, muss sachverständig sein. Empfehlenswert ist der Besuch eines Fallenlehrgangseminars. Der nächste Veranstaltungstermin kann beim Landesjagdschutzverband in Kiel nachgefragt werden. Tötungsfallen sind in Wohnbereichen nicht zu empfehlen, da Fehlfänge nicht auszuschließen sind und erhebliche juristische Konsequenzen haben können. Faktisch hat der Gesetzgeber in Schleswig-Holstein durch scharfe Auflagen diese Fallenart verboten. Tellereisen und andere Fallen, die nicht sofort töten, sind eh in Deutschland verboten! Eine Lebendfalle wird durch den Jäger über mehrere Tage bis Wochen regelmäßig beködert, damit das Tier sich daran gewöhnt. „Scharfgestellte“ Lebendfallen müssen mindestens zweimal täglich überprüft werden, damit gefangene Tiere nicht an dem entstehenden Stress verenden. Katzen, Igel und seltener Mauswiesel sind häufige Fehlfänge. Im Winter kommt das Problem der Unterkühlung dazu, der schon viele Marder zum Opfer gefallen sind. Generell sollte ein Fang nicht während der Zeit der Jungenaufzucht erfolgen. In Schleswig-Holstein darf der Steinmarder nur vom 1.11. bis 28.2. bejagt werden. Das Wegfangen macht nur Sinn, wenn auch der Einschlupf beseitigt wird, weil sonst ein anderer Marder nachrückt!

Mit dem Marder leben? - Ein Versuch der Tröstung...

Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob für ihn in Frage kommt, „mit dem Marder zu leben“.

Hat man eine Möglichkeit gefunden, den Hausgast zu beobachten, wird man seine Anwesenheit sicherlich als Bereicherung empfinden. Einen Marder auf dem Dachboden, verschont im Regelfall den PKW - er hat ja eine Wohnstadt. Vor allem aber hält er das Haus frei von gesundheitlich bedenklicheren Hausgenossen wie Mäusen, Ratten und evtl. auch Tauben. In den Vereinigten Staaten wird gerade in ländlichen Bereichen intensiv für die Beherbergung von Mardern geworben. Marder sind sehr reinlich, auf dem Dachboden legen sie neben der Schlafstelle eine Art „Speisekammer“ an, ein anderer Bereich wird als „Toilette“ genutzt. Diese Stelle kann mit Zeitung ausgelegt werden, und der Kot muss regelmäßig entfernt werden. Dabei sollte man darauf achten, auf eine neue Zeitungsunterlage immer etwas trockenen Kot liegen zulassen, damit der Marder seine Toilette wieder findet. In gut durchlüfteten Räumen kommt es kaum zu Geruchsproblemen. Will man den Marder lieber nicht im Haus beherbergen, ihm aber andererseits aus den genannten Erwägungen eine andere Unterkunft zur Verfügung stellen möchte, kann man im Garten ein Quartier schaffen. Sehr gut werden Kaminholzstapel oder größere Reisighaufen akzeptiert, letztere dienen auch Igeln als Winterquartier. Allerdings sollte nicht dauernd umgeschichtet werden, da der Marder die Verstecke sonst meidet. Unsere holländischen Nachbarn haben ein „Marderhäuschen“ entwickelt, das gemeinhin gut angenommen wird, und Marderschäden verhindern hilft. Eine Überlegung ist es allemal wert, ob ein solches Arrangement nicht beiden Seiten Vorteile bringen kann.


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