Den Marder vertreiben...

ist erfahrungsgemäß leichter gesagt als getan. Im Folgenden werden einige Tipps gegeben, wie man Mardern das Auto verleiden und sie aus der häuslichen Umgebung vergraulen kann.

Einige deutsche Automobilhersteller haben im Interesse ihrer Kunden umfangreiche Untersuchungen zu dem Phänomen des Automarders anstellen lassen. Zunächst stellte sich dabei heraus, dass die Mär vom Marder, der gezielt bestimmte Fabrikate oder auch PKW mit noch warmem Motorblock aufsucht, sich nicht bestätigen ließ. Vielmehr nahmen Marder, die in einem Freilandgehege die Wahl zwischen verschiedenen Automobilen treffen konnten, alle Fahrzeuge „gleichmäßig“ an. Interessanterweise wurde festgestellt, dass das gefürchtete Kabelbeißen gar nicht zwangsläufig mit der Erkundung des Motorraums einherging. Vielmehr zeigten die umfangreichen Untersuchungen in verschiedenen Gegenden Deutschlands, dass ein Marderbesuch des Motorraumes regional anhand von harmlosen Spuren wie bspw. Pfotenabdrücken bei bis zu einem Drittel der Fahrzeuge festzustellen war. „Vandalismus“ hingegen trat nur in Ausnahmefällen auf. Betroffen waren Kühlwasserschläuche und Zündkabel, verschiedentlich auch Achsmanschetten, und glasfaserhaltige Dämmstoffplatten wurden regelrecht zerrupft. Übrigens wurde bisher kein Fall bekannt, in dem Marder auch die Bremsschläuche angenagt haben. Enge Motorräume von Kleinwagen sind weniger beliebt als die verschachtelten Karosserien großräumiger Limousinen. Im Freiland sind es wohl vorwiegend Rüden (s.a. Territorialverhalten), die in Automobilen Unterschlupf suchen. Zusammenfassend weist vieles darauf hin, dass Marder Motorräume in ihrem Revier ebenso wie Keller, Rohre, Reisighaufen oder andere Hohlräume in die Raumnutzung in ihrem Revier miteinbeziehen. Solange sie Autos nur auf Nahrung untersuchen, bleiben Schäden im Regelfall aus.

Beschädigungen können entstehen, wenn Steinmarder den Motorraum als Ruhe- und Rückzugsort nutzen, und beginnen, ihn mit Dämmmaterial herzurichten, die Kabel und Schläuche aus dem Weg räumen und sich häuslich niederlassen. Einige Forscher halten es auch für möglich, dass ein Verbiss dann einträte, wenn ein PKW in einem Revier frisch markiert wurde, und dann im Revier eines anderen Marders abgestellt wird — quasi der Versuch eines Rüden, die Duftspuren des Rivalen auszuradieren. Dagegen spricht, dass sich die erkennbaren Schäden auf den Motorraum beschränken. Andererseits konnte im Freiland immer wieder gezeigt werden, dass Ruheplätze von verschiedenen Tieren zeitversetzt genutzt werden. Wurde ein Motorraum von einem Marder entsprechend angenommen, besteht ganz offensichtlich ein größeres Risiko, dass andere Marder den Wagen ebenfalls als Ruheraum ansehen. Wenn die Marder im Frühjahr — im Mai werden die meisten Marderschäden registriert — ihre Reviere wieder ausdehnen, patrouillieren sie gewissermaßen an den Reviergrenzen und entfernen sich weit von ihren Ruheplätzen. Möglicherweise richten sie sich häuslich ein, wenn sie dann einen als „geeignet“ markierten Motorraum finden. Ganz geklärt sind die Ursachen der Heimsuchungen jedoch nach wie vor nicht.

Vertreiben lassen sich Marder nur mit erheblichem Aufwand, wenn eine Heimstatt erst einmal angenommen wurde. Am wichtigsten ist es, den Einschlupf des Marders zu finden und mardersicher zu verschließen. Suchen Sie nicht nur am Boden, weil der Marder bspw. an Backsteinwänden senkrecht aufsteigen kann. Holzmasten und überhängende Äste reichen dem waghalsigen Kletterer zum Einstieg. Auch hier hilft sommers der Trick mit dem Mehl, im Winter können auch Marderspuren im Schnee den Weg zum Einstieg weisen. Schwieriger wird es bei Reihenhäusern, wenn der Marder über mehrere Dächer einsteigen kann. Nur eine Zusammenarbeit zwischen den Nachbarn bringt Erfolg. Hat sich doch in der Vergangenheit oftmals herausgestellt, dass hinter einer vermuteten „Marderschwemme“ nur ein einziger Steinmarder steckte, der von Haus zu Haus getrieben wurde. Ist der Einlass gefunden, sollte sichergestellt werden, dass der Marder nicht im Haus ist, wenn die Eingänge verschlossen werden. Hilfreich kann laute Musik auf dem Dachboden sein, auch parfüm- und salmiakgeistgetränkte Watte, Haarspray oder Toilettensteine vertreiben den Marder für kurze Zeit. Nachts geht der Marder auf Nahrungssuche, am besten sollte der Zugang nachts verschlossen werden, um das Tier nicht einzusperren. Bewährt hat sich das Ausschäumen der Mardereingänge mit Bauschaum. Wenn sie nicht sicher sind, dass der Marder das Haus verlassen hat, lassen sie besser über Nacht eine Dachluke geöffnet. Oft ist ein Versperren seines Aufstieges vielversprechend, insbesondere bei alten Häusern, deren Dachschindeln nicht mehr dicht schließen. Steigt der Marder über einen Pfahl oder Baumstamm auf, kann eine Metallmanschette, die rundherum mindestens 30cm herausragt, als Marderschutz dienen. Auch beim Tierarzt erhältliche „Hunde-Kragen“ können gute Dienste leisten bis der Einschlupf versperrt ist. Hausmauern können mit entsprechend angebrachten Brettern gesichert werden; im Sommer werden Schwalben diesen Simms vielleicht sogar zum Nisten annehmen. Die Zeit, in der Jungmarder aufgezogen werden, sollte man immer verstreichen lassen, d. h. zwischen März und Mitte Juli eine Fähe nicht aussperren, damit die Jungtiere nicht qualvoll verhungern müssen. Diese „Schonzeit“ gilt grundsätzlich für Maßnahmen gegen Marder, auch wenn man den örtlichen Jäger bittet, eine Lebendfalle einzusetzen. Bei allen Versuchen, Steinmarder zu vergrämen, bleibt zu bedenken, dass er sich dann ein anderes Versteck sucht, wo er möglicherweise größeren Schaden anrichten kann (PKW). Auch bleibt ein verwaistes Marderrevier nie lange unbesetzt. Es kann sinnvoller sein, sich zu arrangieren, ihm vielleicht ein Marderhäuschen anzubieten, wenn er im Haus zu sehr stört.


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