Ein Lebenskünstler mit vielen Qualitäten

Eine Grundvoraussetzung für einen Kulturfolger ist eine hinreichende Vorsicht gegenüber dem Menschen, jedoch ohne eine ausgeprägte Menschenscheu, um sich Rückzugsräume in unserer engsten Nachbarschaft zu erschließen. Den Marder bekommt der Mensch selten zu Gesicht aber in seiner unmittelbaren Nähe ruht, jagt, sammelt, paart sich der Steinmarder, und nicht selten zieht er seine Jungen in Verstecken auf, die nur durch eine Wand vom Menschen getrennt werden. Die Verhaltensforscher sprechen von einer kleinen bis mittleren Ausweichdistanz, in Kombination mit einer kurzen Fluchtdistanz. Hinzu kommt, dass der „Stadtmarder“ seine Aktivitätszeiten dem Menschen angepasst hat, und vorwiegend dann umtriebig wird, wenn der Mensch sich in Häusern aufhält. Die Kombination aus guter Kinderstube (dem erlernten Verhalten, das den Jungmardern in ihrer Jugend von der Fähe beigebracht wurde) aus einem bemerkenswerten „Erfindungsreichtum“ und einem exzellenten Gedächtnis runden das Erfolgsrezept der Steinmarder ab, mit dem sie ihr bis zu 12 Jahre währenden Leben in unseren Städten bewältigen. Wildtierforscher erklären hiermit übrigens auch die zunehmende Verbreitung des Phänomens der „Besiedlung“ von Autos durch die Marder, das vor wenigen Jahren erst im Süden Deutschlands und nun auch in Norddeutschland Einzug gehalten hat. Sie glauben, dass „markierte“ Touristen-PKW aus dem südlichen Alpenraum, den hiesigen Mardern den Weg in die Motorräume gewiesen haben. Durch die beispielhafte Erziehung der Jungtiere durch die Fähen und die „Dispersion“, die Wanderung der Jungtiere, wurde die Miteinbeziehung der PKW in die genutzten Revierbereiche innerhalb der nördlichen Marder-Population schnell verbreitet. Haben alle anderen Maßnahmen keinen Erfolg und der Marder muss weichen, so sollte ein Fangen des Tieres immer von einem fachkundigen Jäger vorgenommen werden. Wer selbst Fallen in seinem Haus oder auf seinem Grundstück aufstellen möchte, muss sachverständig sein. Empfehlenswert ist der Besuch eines Fallenlehrgangseminars. Der nächste Veranstaltungstermin kann beim Landesjagdschutzverband in Kiel nachgefragt werden. Tötungsfallen sind in Wohnbereichen nicht zu empfehlen, da Fehlfänge nicht auszuschließen sind und erhebliche juristische Konsequenzen haben können. Faktisch hat der Gesetzgeber in Schleswig-Holstein durch scharfe Auflagen diese Fallenart verboten. Tellereisen und andere Fallen, die nicht sofort töten, sind eh in Deutschland verboten! Eine Lebendfalle wird durch den Jäger über mehrere Tage bis Wochen regelmäßig beködert, damit das Tier sich daran gewöhnt. „Scharfgestellte“ Lebendfallen müssen mindestens zweimal täglich überprüft werden, damit gefangene Tiere nicht an dem entstehenden Stress verenden. Katzen, Igel und seltener Mauswiesel sind häufige Fehlfänge. Im Winter kommt das Problem der Unterkühlung dazu, der schon viele Marder zum Opfer gefallen sind. Generell sollte ein Fang nicht während der Zeit der Jungenaufzucht erfolgen. In Schleswig-Holstein darf der Steinmarder nur vom 1.11. bis 28.2. bejagt werden. Das Wegfangen macht nur Sinn, wenn auch der Einschlupf beseitigt wird, weil sonst ein anderer Marder nachrückt!


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